BLICKPUNKTNATUR

An dieser Stelle berichte ich über meine aktuellen Projekte/ Naturschutzaktivitäten. Nachfolgend ein paar Informationen zu abgeschlossenen und weiter laufenden Aktivitäten zum Thema "Wildkatze in unseren heimischen Wäldern".

Wildkatzenmonitoring 2018, 2019 und Folgeprojekt 2020

Das Anfang Februar 2018 begonnene Wildkatzenmonitoring für das Lahn-Dill-Bergland wurde erfolgreich abgeschlossen. Am Dienstag, den 13. November 2018 hat die für die federführende Organisation BUND Hessen zuständige Mitarbeiterin Susanne Schneider in Bad-Endbach über die Ergebnisse berichtet. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer (einschließlich meiner Wenigkeit), unterstützt vom Verein Region Lahn-Dill-Bergland e.V. mit Geschäftsführerin Marion Klein an der Spitze, den Fortsämtern Wetzlar, Herborn und Marburg, hatten bis in den April hinein insgesamt 60 Lockstöcke, auf 600 km2 Waldfläche, wöchentlich kontrolliert und dabei, wenn vorhanden, Haarproben genommen sowie die Stöcke wieder neu mit Baldrian eingesprüht. Die Katzen (aber auch andere Waldtiere) lieben diesen Duft und reiben sich dann in der Regel an den sägerauhen Hölzern, wobei Haare zurück bleiben. Insgesamt wurden 77 Haarproben genommen und anschließend von der Senckenberggesellschaft für Naturforschung, Fachgebiet Naturschutzgenetik, Gelnhausen genetisch untersucht. 42 Haarproben konnten Wildkatzen zugeordnet werden, die zu 18 verschiedenen Wildkatzen gehören (zwölf Kuder, sechs weibliche Tiere). Bei 15 Proben konnte zwar "Wildkatze" festgestellt werden, wegen geringer Probenqualität war ein Individuennachweis jedoch nicht möglich. An einem von Werner Schmidt und mir überwachten Stock im Wald bei Aßlar-Obelemp wurde eine Wildkatze nachgewiesen. Die Nachweise verteilen sich flächendeckend über das gesamte Untersuchungsgebiet. Es kann festgestellt werden, dass die Wildkatze überall im Lahn-Dill-Bergland wieder ansässig ist, jedoch in (noch?) relativ geringer Anzahl. Interessant ist auch, dass in unserem Gebiet Wildkatzen der West-, Ost- und der Zentarlpopulation Deutschlands leben. Es kommt in unserem Gebiet also zu genetischen Vermischungen.

Infiziert von den Ergebnissen des Monitoring 2018, und als besonders interessante Vereinsaktion für unsere Kinder- und Jugendgruppe "Die Wiesel" (mit Eltern), wurde im Januar 2019 ein kleinräumigeres Untersuchungsprogramm gestartet (Gesamtuntersuchungsfläche ca. 30 km2 ), mit der Firmierung "Wildkatzenmonitoring im Waldgebiet Hörre bei Ehringshausen und in einem durch das Lemptal getrennten Wald bei Ehringshausen-Breitenbach". Angewendet wurde wieder die Lockstockmethode. Organisator war der Naturschutzring Ehringshausen e.V., unterstützt vom BUND, dem Forstamt Wetzlar und drei Jagdpächtern. Seit Ende Januar bis Ende März 2019 waren die Betreuer unterwegs. Die Lockstöcke wurden teils mit Wildkameras überwacht. Die Ergebnisse sind fulminat. Insgesamt konnten an sieben Stöcken 27 Harrproben genommen werden. An allen Lockstöcken wurden Katzen/ Wildkatzen auch im Bild mit Wildkameras festgehalten. Die Genuntersuchungen der Senckenberg Gesellschaft haben 21 mal das Ergebnis "Wildkatze" erbracht. Nur bei einer Probe wurde "Wildschwein" nachgewiesen. Die restlichen Haarproben sind vermutlich ebenfalls der Wildkatze zuzuordnen; hier war die Auswertung nicht möglich, weil Haare von zwei oder mehreren Tieren am Stock/ in der Probe vermischt waren. Die 21 Positivproben gehören zu elf verschiedenen Wildkatzen. Dies heißt, einzelne Stöcke wurden zwei- oder mehrfach von der gleichen Katze aufgesucht. Mit dem Gesamtergebnis lassen sich Wanderbewegungen erkennen. Die elf verschiedenen Katzen verteilen sich auf  fünf männliche und  sechs weibliche Tiere.

Im Anschluss an das oben beschriebene Monitoring habe ich an zwei Stellen mit den "höchsten Frequenzen", also dort, wo die häufigsten Beobachtungen bis Ende März zu verzeichnen waren, Fotoboxen aufgebaut. Das Erfolgserlebnis hat sich fortgesetzt! An einer Stelle waren bis Ende April fast jede Nacht Wildkatzen (mindestens zwei verschiedene), von denen ich zahlreiche Aufnahmen machen konnte. Interessant ist, aufgrund der gleichzeitigen Überwachung mit den Wildkameras, dass sich die Katzen weder am Auslösegeräusch der Kamera, noch an den Blitzen stören. Anfang Mai 2019 wurde es an den Lockstöcken merklich ruhiger. Dann hatte ich das Glück ein Bild von einer Jungkatze eines Gehecks unter einem alten Gebäude im Außenbereich, an einer großen Waldwiese zu machen.

Zahlreiche meiner Bilder, zusammen mit Archivaufnahmen aus dem Tiergarten Weilburg waren die Grundlage für einen Wildkatzenkalender des BUND Hessen für das Jahr 2020.

Die Vorstellung des Kalenders, zusammen mit der Präsentation der Ergebnisse des Monitorings "Hörre 2019" erfolgte im Rahmen eines großen Wildkatzenabends am 4. Dezember 2019 im DGH Ehringshausen-Kölschhausen. Am Ende der Veranstaltung berichtete der seitens der UNI Gießen über das Folgeprojekt "Raumnutzungsverhalten der Wildkatze im Waldgebiet Hörre" zuständige Biologe und Projektleiter Johannes Lang. In der Hörre sollen bis zu zwölf wilde Katzen gefangen und besendert werden. Man möchte dann herausfinden, wie die Wildkatzen die das Gebiet der "Hörre" umschließenden Straßen (Autobahn bis Kreisstraßen) überwindern. Das Projekt hat im Februar 2020 mit dem raschen Fang von sechs Katzen begonnen, die alle erfolgreich besendert werden konnten. Dann gab es leider eine Unterbrechung aufgrund technischer Probleme und anschließend die vorübergehende Einstellung des Projekts aufgrund der Auswirkungen der Corona-Krise. Die ersten Beobachtungsdaten laufen mittlerweile bei der UNI ein. Die Auswertung erfolgt erst nach einer längeren Beobachtungsphase. Die Forstetzung der Fangaktion wird vermutlich erst in der nächsten Ranzzeit (ab Januar 2021) stattfinden können. 

Ich freue mich, das gesamte Projekt fotografisch begleiten zu dürfen.